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Anaplasmose beim Hund: Symptome, Therapie und Erfahrungen

Anaplasmose ist eine Zeckenkrankheit. Sommerzeit – Zeckenzeit. Sobald die Temperaturen über 7°C steigen, fängt die Plage an. Milde Winter lassen die Zeckengefahr mitunter sogar zu einem ganzjährigen Problem werden. Aber was zunächst nur lästig erscheint, kann oftmals gravierende gesundheitliche Folgen für deinen Hund haben. Lies hier alles über eine der weniger bekannten Krankheiten, die dein Hund von einer Zecke auch in unseren Breiten bekommen kann: die Anaplasmose.

Dieser Artikel wurde von einem FirstVet-Tierarzt verfasst
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Das Wichtigste über Anaplasmose beim Hund

Anaplasmose – auch canine granulozytäre Anaplasmose genannt - ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Anaplasma hervorgerufen wird, welche durch Zeckenstich übertragen werden. Auch Menschen können daran erkranken.

Bevor wir uns die Symptome und Behandlung der Anaplasmose beim Hund näher anschauen, beantworten wir hier zunächst noch häufig gestellte Fragen bezüglich der Erkrankung.

Wie bekommt mein Hund Anaplasmose?

Überträger der Anaplasmose in Mitteleuropa ist der gemeine Holzbock, das ist die häufigste Zecke in ganz Europa. Ca. 10% der adulten Zecken tragen die Anaplasmen bereits in sich, Tendenz steigend. Wenn die Zecke am Hund anhaftet und beginnt Blut zu saugen, werden die Anaplasmen mit dem Speichel der Zecke auf deinen Hund übertragen.

Aber: Die Ausscheidung beginnt nicht sofort, sondern erst 24-48 Stunden nach dem Stich. Welche Vorteile das birgt, kannst du weiter unten lesen.

Ist Anaplasmose beim Hund tödlich?

Nein, zum Glück ist Anaplasmose in der Regel gut therapierbar. Wichtig ist jedoch die korrekte Diagnose und der zeitnahe Beginn einer adäquaten Therapie.

Wie stehen die Heilungschancen?

Sollte dein Hund an einer Anaplasmose erkranken, dann kannst du getrost darauf bauen, dass mit einer korrekten Therapie die Heilungschancen gut stehen, auch wenn der Erreger wahrscheinlich nicht komplett eliminiert werden kann.

Interessant: Tiere mit einer stummen Infektion ohne jegliche Symptome müssen nicht behandelt werden und gelten nur als Träger.

Wie ist die Lebenserwartung bei Anaplasmose?

Eine Infektion mit Anaplasma phagocytophilum hat bei stummen Trägern und bei korrekt therapierten Hunden zunächst keine Auswirkung auf die Lebenserwartung. Folgeerkrankungen durch eine eventuelle Immunschwäche müssen jedoch erkannt und behandelt werden.

Ist Anaplasmose ansteckend?

Nein. Wir Menschen können zwar auch an Anaplasmose erkranken, jedoch nur, wenn wir von einer Zecke gestochen werden. Dein Hund jedenfalls kann die Erkrankung nicht auf dich übertragen. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn dein Hund einem anderen Hund Blut spenden soll. Einmal an Anaplasmose erkrankt, sollte dein Hund kein Blutspender mehr sein.

Gibt es eine Impfung gegen Anaplasmose?

Nein. Es gibt keine Impfung gegen Anaplasmose. Die einzige Impfung gegen eine Zeckenerkrankung ist die Impfung gegen Borreliose beim Hund.

Anaplasmose beim Hund: Symptome

Die übertragenen Anaplasmen befallen innerhalb weniger Tage die weißen Blutkörperchen im Blut des Hundes und verbreiten sich so im gesamten Körper. Mit dem Blutstrom gelangen sie auch in verschiedene Organe wie Leber, Lunge, Nieren oder Gehirn. Es kommt zu einem Mangel an Blutplättchen.

Wie bereits erwähnt, werden die meisten mit Anaplasmen infizierten Hunde nicht krank. So sind in bestimmten Regionen bis zu 50% aller gesunden Hunde symptomlose Träger, weil sie zwar infiziert wurden, aber dank ihres Immunsystems keine Krankheitssymptome ausgebildet haben.

Erkrankungsfälle finden sich gehäuft von April bis September. Ist dein Hund infiziert, zeigt er erste Krankheitssymptome erst 1-3 Wochen nach dem Zeckenstich. Es treten dann akut ganz unspezifische Krankheitssymptome auf:

  • Hohes Fieber

  • Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit

  • Vergrößerte Lymphknoten

  • Blasse Schleimhäute

  • Magen-Darm-Probleme

  • Punktförmige Blutungen im Maul

  • Nasenbluten

  • Lahmheiten

Eventuell kommen je nach befallenem Organ dazu:

  • Husten

  • Vermehrter Durst

  • Krampfanfälle

  • Bewegungsstörungen

Ohne Behandlung wird die Krankheit nach 2-3 Wochen chronisch und es kommt auch zu fieberfreien Phasen bei schlechtem Allgemeinbefinden und Schwäche. Wenn du dir unsicher bist, kannst du dir Rat holen bei einem unserer Tierärzt:innen bei FirstVet. Buche hier einen Termin.

Solltest du einen Verdacht haben, ist der Gang zu einem Tierärzt:in dringend nötig, damit so schnell wie möglich eine Blutuntersuchung gemacht wird und mit einer Therapie begonnen werden kann.

Anaplasmose beim Hund: Diagnose

Für eine sichere Diagnose ist eine Blutuntersuchung nötig. Im Labor wird mindestens ein großes Blutbild gemacht und ein Blutausstrich für den Direktnachweis der Anaplasmen unter dem Mikroskop.

Ein anderer sensitiver Direktnachweis kann über eine PCR gemacht werden. Ein positives Testergebnis bedeutet jedoch erstmal nur, dass dein Hund mit Anaplasmen infiziert ist. Nur wenn zusätzlich oben genannte Krankheitssymptome in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen vorhanden sind, wird dein:e Tierärzt:in eine Behandlung gegen Anaplasmen einleiten.

Tipp: Da Anaplasmose immer wieder auch mit anderen durch Zecken übertragenen Krankheiten vergesellschaftet auftritt, ist es sinnvoll, diese Erkrankungen gleich mit zu testen (Borreliose beim Hund).

Anaplasmose beim Hund: Behandlung

Anaplasmen können mit geeigneten Antibiotika gut bekämpft werden, wenn sie rechtzeitig in der akuten Phase der Erkrankung gegeben werden. Diese müssen über einen Zeitraum von ca. 3 Wochen eingegeben werden. Wenn die Zahl der Blutplättchen innerhalb weniger Tage wieder steigt, bist du auf dem richtigen Weg.

In den meisten Fällen wird dein Hund wieder ganz gesund. Nur bei Hunden mit einer Immunschwäche kann die Krankheit chronisch werden oder wieder aufflammen.

Anaplasmen verbleiben vermutlich lebenslang im Körper eines Hundes, auch wenn er mit Antibiotika behandelt wurde.

Anaplasmose beim Hund homöopathisch behandeln: Eine gute Idee?

Nein. Hier ist äußerste Vorsicht geboten! Homöopathische Präparate können nicht die Anaplasmen bekämpfen. Daher ist es höchst gefährlich, wenn alternativmedizinische Angebote den Eindruck erwecken, eine ursächliche Behandlung ersetzen zu können.

Sie können zur Unterstützung des Heilungsprozesses ausschließlich parallel zur Antibiose sicher eingesetzt werden.


Anaplasmose – hier die 10 wichtigsten Fakten im Überblick

  1. Anaplasmen sind Bakterien und werden in Mitteleuropa von Zecken übertragen.

  2. Die Übertragung beginnt erst 24-48 Stunden nach dem Stich der Zecke.

  3. Eine Infektion mit Anaplasmen führt nur in 5-10% der Fälle zu einer Erkrankung, viele Hunde sind symptomlose Träger.

  4. Die Inkubationszeit ist ca. 1-3 Wochen nach Zeckenstich.

  5. Krankheitssymptome sind hohes Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Nasenbluten, punktförmige Blutungen, Lymphknotenschwellungen und Lahmheiten, evtl. Husten, Krämpfe und Bewegungsstörungen.

  6. Die Diagnose wird durch einen Bluttest in Verbindung mit der Symptomatik und einem Mangel an Blutplättchen gestellt.

  7. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, die Heilungsaussichten sind gut.

  8. Die beste Prophylaxe ist ein zuverlässiger Schutz vor Zecken.

  9. Es gibt keine Impfung.

  10. Anaplasmose kann nicht vom Hund auf den Menschen übertragen werden.


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