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Scheinträchtigkeit

Eine Scheinträchtigkeit tritt in der Regel bei nicht kastrierten Hündinnen etwa 6 bis 10 Wochen nach Ende der letzten Läufigkeit auf. Sie ist in einer milden Verlaufsform grundsätzlich keine Krankheit; allerdings kann es bei unseren Haushunden oftmals zu einer starken, von der Norm abweichenden Symptomatik kommen, für die neben einem Anstieg des Hormons Prolaktin auch psychogene Faktoren ursächlich sind.

Dieser Artikel wurde von einem FirstVet-Tierarzt verfasst
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Symptome einer Scheinträchtigkeit

  • Anschwellen des Gesäuges bis hin zur Milchproduktion (Pseudolaktation)
  • Nestbauverhalten
  • Vermehrtes Brutpflegeverhalten inkl. Bewachen und Belecken von Gegenständen (z. B. Stofftiere)
  • Aggressives Verhalten bei Annäherung an das Nest und Welpen
  • Depression
  • Lecken am Gesäuge
  • Unlust an der Bewegung
  • Appetitlosigkeit
  • Häufiger Harnabsatz

Ursachen für eine Scheinträchtigkeit

Es existiert bei der Hündin ein besonderes physiologisches Phänomen: Neben dem eigentlichen weiblichen Zyklus, der u. U. zu einer Trächtigkeit führen kann, finden weitere zyklusbegleitende, schwangerschaftsunabhängige Prozesse, die ebenfalls hormonell gesteuert sind, im Körper statt. Sie sind die Ursache für eine Scheinträchtigkeit. Vorangegangene Trächtigkeiten oder das Alter spielen keine besondere Rolle. Die Symptome können sehr unterschiedlich und uneinheitlich sein, denn sie beruhen – je nach Zeitpunkt des Auftretens klinischer Symptome – auf drei unterschiedlichen Hormonprofilen.

Wie kannst Du Deiner Hündin helfen?

Eine Scheinträchtigkeit bei einer Hündin kann zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen andauern und verschwindet bei milden Symptomen wieder.

Du kannst verschiedene homöopathische Mittel einsetzen, wie z. B. Pulsatilla D30, Asa foetida D4, Belladonna D6, Phytolacca D2, Bryonia D6, Sepia D4 oder Ignatia D200. Es kann auch die Gabe von Hormeel-Tropfen die Hündin in dieser Zeit unterstützen. Zur Prophylaxe von Gebärmutterentzündungen können Himbeerblätter unter das Futter gemischt werden. Lass Dich hier gerne von einem Tierarzt mit der Zusatzbezeichnung “Homöopathie” hinsichtlich der Dosierungen beraten.

Ätherische Öle wie Rosenöl oder Zitronenmelissenöl tragen ebenfalls zu einer Erleichterung der Symptome in der Scheinträchtigkeit bei. Aber bitte beachte, dass die Nase Deiner Hündin viel sensibler als Deine eigene ist! Diese Öle bitte nie direkt am Tier oder an seinem Platz anwenden; sie sind vielmehr dazu gedacht, die Raumluft allgemein angenehmer zu gestalten. Bei dem Gebrauch solltest Du immer für regelmäßige frische Luft im Raum achten und vor allem das Verhalten Deiner Hündin sehr gut beobachten (sie wird Dir sicherlich zeigen, wenn sie den Duft nicht angenehm findet).

Essigumschläge (1 EL auf 1000ml Wasser), Umschläge aus essigsaurer Tonerde (aus der Apotheke oder dem Reformhaus) oder Quarkwickel kühlen das Gesäuge und unterstützen die Rückbildung.

Gestalte den Alltag mit Deiner Hündin in dieser Zeit ruhig und strukturiert. Der Kontakt zu anderen Hunden kann kontraproduktiv sein. Provoziere keine machtbasierten Auseinandersetzungen zwischen Euch, die eine gesteigerte Aggressivität Deiner Hündin, Dir oder anderen gegenüber zur Folge haben könnte. Es macht keinen Sinn, Sie zur Ordnung zu rufen, wenn sie an ihrem Platz wühlt oder Welpenersatz dort sammelt und möglicherweise zerkaut.

Behandlung einer Scheinträchtigkeit

Eine Scheinträchtigkeit verschwindet normalerweise nach ca. 6 bis 8 Wochen. Dennoch ist es grundsätzlich sinnvoll, bereits im Anfangsstadium – vor allem bei Vorliegen von massiven Symptomen – die Hündin dem Tierarzt vorzustellen. Er wird ggf. einen Ultraschall durchführen, um eine Trächtigkeit sicher auszuschließen. In der Regel erhältst Du für Deine Hündin ein Medikament für sieben Tage. Wiederholte und therapie-resistente Scheinträchtigkeiten können das Risiko für Brustentzündungen und Gesäugeleistentumoren erhöhen, daher kann dann die Kastration der Hündin angezeigt sein.

Bei einer ausgeprägten Verhaltenssymptomatik, vor allem bei massiv auftretender Aggression oder Ängstlichkeit, kann ein weiterer Besuch bei einem Tierarzt, der über die Zusatzbezeichnung oder den Fachtierarzt “Verhaltenstherapie/Verhaltenskunde” verfügt, wichtig sein. Er wird eine eingehende Befunderhebung hinsichtlich des veränderten Verhaltens durchführen, ggf. weitere Untersuchungen veranlassen und wichtige Trainings- und Managementschritte mit Dir bzw. ggf. mit Deinem Hundetrainer besprechen.

Wie kann ich verhindern, dass meine Hündin scheinträchtig wird?

Eine Kastration der Hündin verhindert weitere Scheinträchtigkeiten, weil sie grundsätzlich die Hormonsituation verändert.

Wann sollte ich meinen Tierarzt aufsuchen?

  • Wenn die Gesäugeleiste Deiner Hündin prall, warm und berührungsempfindlich ist
  • Wenn sie hochgradig aggressives Verhalten Dir gegenüber zeigt
  • Wenn sie viel säuft und uriniert
  • Wenn die anfangs genannten Symptome stärker werden oder nicht mehr aufhören wollen

Immer noch besorgt?

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