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Kaninchen: Trächtigkeit, Geburt und Jungtierpflege

Kaninchen sind sehr produktiv, wenn es um Fortpflanzung geht. Falls du sowohl männliche als auch weibliche unkastrierte Tiere besitzt, werden diese bereits im Alter von 4 bis 6 Monaten mit der Fortpflanzung beginnen! Lies weiter, um alles Wichtige über Trächtigkeit, Geburt und Jungtierpflege beim Kaninchen zu erfahren.

Dieser Artikel wurde von einem FirstVet-Tierarzt verfasst
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Ein Kaninchenwurf kann zwischen 2 und 12 Junge umfassen. Kleinere Rassen neigen zu kleineren Würfen und große Rassen entsprechend zu größeren. Sobald die Säugezeit vorüber ist, können die Weibchen wieder trächtig werden. Deshalb kann es sein, dass du nach kurzer Zeit mehr Tiere hast, als dir lieb ist! Lies unseren Artikel über die Vorteile einer Kastration deines Kaninchens.

Trächtigkeit

Weibliche Kaninchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 6 Monaten. Einige entwickeln sich auch schneller und können bereits im Alter von 4 Monaten trächtig werden. Größere und Riesenrassen erreichen die Geschlechtsreife dagegen erst später, mit circa 12 Monaten.

Paarungsbereite Kaninchen verhalten sich sehr aktiv. Das Weibchen lässt das Männchen wissen, dass sie an der Fortpflanzung interessiert ist, indem sie ihren Rücken senkt und abflacht (Lordose), das Becken anhebt und ihren Vulvabereich zeigt. Dieser ist meist geschwollen und violett. Außerdem spannen weibliche Tiere ihren Körper bei Berührung an, um sich auf ein mögliches Besteigen vorzubereiten. Da sich Temperatur sowie Tageslichtzyklus auf die Fortpflanzung der Kaninchen auswirken, werden sie vor allem im Frühjahr trächtig. Bei der Haltung im Haus ist dies jedoch nicht immer der Fall, da diese Einflüsse fehlen.

Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer eines Kaninchens beträgt in der Regel 30-32 Tage. Manchmal kann ein trächtiges Weibchen die Föten zwischen dem 11. und 21. Tag der Trächtigkeit wieder resorbieren.

Fütterung während der Trächtigkeit und Säugezeit

Das Weibchen sollte vor, während und nach der Trächtigkeit optimal gefüttert werden. Zusätzlich zum gewohnten Heu kannst du Luzerneheu und Pellets anbieten. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel über die Ernährung von Kaninchen.

Veränderungen vor und während der Geburt

Weibliche Kaninchen bauen am Tag der Geburt oder einige Tage zuvor ein Nest. Dazu verwenden sie normalerweise Heu, Stroh und Fell. Letzteres stammt meist von ihrem Bauch, den Seiten und der Wamme. Du wirst bemerken, dass sich ihr Fell bis zu 5 Tage vor der Geburt lockert oder leicht auszureißen ist. Stelle sicher, dass ein ruhiger Bereich, idealerweise eine überdachte Kiste, für den Nestbau zur Verfügung steht.

Die meisten Kaninchen werfen in den frühen Morgenstunden. Die eigentliche Geburt dauert insgesamt etwa 30 Minuten. Das Muttertier putzt ihre Jungen, frisst die Plazenta und durchtrennt die Nabelschnur meist selbstständig. Außerdem wird sie noch bis zu 5 Tage später Nachgeburtsmaterial aufnehmen.

Säugen

Weibliche Kaninchen säugen einmal täglich, meist über Nacht. Die Säugeperiode dauert insgesamt etwa 5 Minuten. Sie haben 4 Milchdrüsen, jedoch können mehr Zitzen vorhanden sein, um den gesamten Nachwuchs zu versorgen. Die Jungen nehmen bei jeder Fütterung bis zu 20 % ihres Körpergewichts an Milch auf!

Jungtiere

Babykaninchen vergraben sich nach der Fütterung tief im Nest. Deshalb ist es normal, dass du die Jungen anfangs nicht oft siehst. Die Jungtiere fangen im Alter von etwa 1 Woche an, ihr Nest anzuknabbern bis davon nach einer weiteren Woche nur noch wenig übrig ist. Mit 2,5 bis 3 Wochen gehen die Jungen dann zunehmend auf Entdeckungstour und beginnen, Heu zu fressen.

Ab der 4. Lebenswoche sind sie ganz auf sich allein gestellt! Achte darauf, dass die Jungtiere ab der 3. Lebenswoche immer Zugang zu frischem Wasser haben. Auch für die Mutter sollte immer Wasser zur Verfügung stehen. Denke daran, die Wasserflasche weiter unten am Gehege zu befestigen, damit sie auch von den Jungtieren erreicht werden kann.

Im Alter von etwa 1,5 Wochen beginnen die Jungen, den Kot ihrer Mutter aufzunehmen. Dies ist notwendig, um die physiologische Keimflora des Magen-Darm-Trakts aufzubauen.

Die Ohren der Jungtiere sind etwa 7 Tage nach der Geburt funktionsfähig. Ihre Augen öffnen sich erst im Alter von 10 Tagen.

Wieso kannst du nicht sehen, dass die Jungen gesäugt werden?

Sei dir bewusst, dass die Jungtiere in der Regel nur einmal alle 24 Stunden für 3 bis 5 Minuten saugen, und dies in der Regel nachts zwischen 20 Uhr und 6 Uhr. Zu dieser Zeit beobachten nur wenige Menschen ihre Kaninchen. Die Mutter ist bei ihrem ersten Wurf vielleicht noch etwas unerfahren, daher solltest du, wenn möglich, täglich das Gewicht der Jungen überprüfen (auch dies kann schwierig sein, wenn sie im Nest vergraben sind und es nur einmal am Tag zum Fressen verlassen). Falls nötig, kannst du eine Kamera in der Nähe des Nests anbringen, um damit die Aktivität und das Säugen zu überwachen. So hat die kleine Familie die nötige Privatsphäre und Ruhe.

Es gibt verschiedene Anleitungen für die Herstellung von Kaninchenmilchersatz. Oft wird eine Basis aus Katzen- oder Hundemilchersatz mit verschiedenen Zutaten ergänzt. Sprich unbedingt mit uns oder deiner Tierärzt:in über die Notwendigkeit der Zufütterung sowie geeignete Rezepte und Anweisungen zur Sonden- oder Spritzenfütterung.

Kaninchenbabys, die in freier Wildbahn gefunden werden, sind selten "ausgesetzt". Die Mutter ist meist nur auf Nahrungssuche und hält ihr Nest verborgen, indem sie sich nicht in unmittelbarer Nähe aufhält. Am besten solltest du diese Kaninchenbabys in Ruhe lassen. Muttertiere stört es, wenn ihr Junges nach einem anderen „Tier“ riecht. Sie könnten ihr Baby deshalb angreifen oder sogar töten.

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