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Welpensozialisierung

Sowohl das Training als auch die Sozialisierung eines Welpen (oder neuen Hundes) sind wichtige Aufgaben! Lies weiter, um Expertentipps und bewährte Techniken für eine erfolgreiche Welpensozialisierung zu erhalten.

Dieser Artikel wurde von einem FirstVet-Tierarzt verfasst
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Warum sollten Welpen sozialisiert werden?

Viele Menschen nehmen an, dass Hunde verängstigt sind, weil sie in der Vergangenheit misshandelt wurden. Viel häufiger jedoch liegt die Ursache für ihre Angst in einer unzureichenden Sozialisierung in jungen Jahren. Welpen brauchen positive Erfahrungen mit verschiedenen Menschen, Haustieren und Orten, um sich in ihrer alltäglichen Umgebung sicher und wohl zu fühlen.

Wenn du diese Sozialisierung vernachlässigst oder zu lange wartest, wird dein Welpe Angst vor neuen Dingen entwickeln. Sein Standardverhalten könnte dann darin bestehen, sich durch Bellen, Knurren oder sogar Beißen zu verteidigen.

Wann sollten Welpen sozialisiert werden?

Sobald Welpen gut sehen, hören und sich fortbewegen können, beginnen sie, mehr mit ihrer Umgebung zu interagieren. Zu diesem Zeitpunkt sind sie in der Lage, eine Bindung zu anderen Tieren und Menschen aufzubauen und zu lernen, welche Orte und Objekte sicher sind. Dieser für die Sozialisierung sensible Zeitraum erstreckt sich von der dritten Lebenswoche eines Welpen bis zum Alter von drei Monaten. Je mehr positive Erfahrungen dein Welpe in dieser Zeit macht, desto selbstbewusster wird er sein, wenn er später neuen Dingen gegenübersteht. Erfolgt in diesem Zeitraum jedoch keine Sozialisierung, wird sich dein Welpe fortan vor allem Neuen fürchten.

HINWEIS: Da dein Welpe erst im Alter von 16 Wochen vollständig geimpft sein wird, ist es wichtig, dass diese Sozialisierungsübungen nur in sicheren Bereichen stattfinden. Das heißt: alle Hunde in der Umgebung sollten gesund und auf dem neuesten Stand ihrer Impfungen sein.

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Wie du deinen Welpen sozialisierst

1. Handling

Die meisten von uns möchten mit ihrem Tier schmusen und es umarmen. Hunde tolerieren Umarmungen zwar, genießen sie jedoch meistens nicht. Wenn du dies mit deinem Welpen schon früh übst, wird er lernen, dass Anfassen und Umarmen nichts Furchteinflößendes ist.

Halte deinen Welpen in verschiedenen Positionen. Berühre seine Füße, Ohren, sein Maul und seinen Schwanz. Tu so, als würdest du seine Krallen schneiden. Gib regelmäßig Leckerlis, um ihn zu belohnen und vom Zappeln abzulenken.

Falls er sich wehrt, lasse weitere Leckerlis folgen, um ihn ruhig zu halten. Lasse NICHT los, wenn er sich sträubt, denn das wirkt für ihn, als würde er für sein Verhalten belohnt werden.

2. Menschen

Da Hunde häufig Angst vor unbekannten Menschen haben, insbesondere vor Männern, sollten sie früh genug mit vielen verschiedenen Arten und Altersgruppen von Menschen in Kontakt kommen. Es reicht nicht aus, nur mit Menschen im Haushalt zu interagieren.

Lasse deinen Welpen von verschiedenen Leuten anfassen und gebe ihm Leckerlis, wenn er sich dabei ruhig verhält. Es ist wichtig, dass ein Welpe positive Erfahrungen mit ungewohnten Menschen macht, nicht nur neutrale oder negative. Wahrscheinlich wirst du ihm fast ununterbrochen Leckerlis geben müssen, um ihn davon abzuhalten, Kinder und Gäste anzuspringen. Viele von ihnen verstärken unangemessenes Sprungverhalten unbewusst. Die Leckerlis sorgen aber auch dafür, dass der Welpe fremde Menschen mit etwas Positivem verknüpft.

3. Andere Tiere

Im Rahmen der Sozialisierung solltest du außerdem darauf achten, dass dein Welpe auch positive Erfahrungen mit anderen Artgenossen macht. Stelle sicher, dass er nur mit Hunden interagiert, die sich angemessen verhalten. Wenn dein Welpe mit Hunden spielt, die zu grob sind, könnte er lernen, aggressiv zu reagieren.

Schütze ihn außerdem vor Hunden, die sich auf ihn stürzen und erschrecken oder bedrängen könnten, wenn er versucht, wegzulaufen. Es ist hilfreich, dass Welpen wichtige Kommunikationssignale von wohlerzogenen Artgenossen lernen. So wird er wissen, dass z. B. eine hochgezogene Lefze signalisiert, dass er sich zurückziehen sollte, da sonst wahrscheinlich ein Knurren oder ein Schnappen folgt. Stelle sicher, dass der erwachsene Hund groß und stark genug ist, um diese Botschaft deutlich zu machen, aber nicht intolerant reagiert und zu Überreaktionen (Biss) neigt.

Viele Welpen werden irgendwann in ihrem Leben mit Katzen und anderen Tieren zusammenleben oder in deren Nähe sein. Es ist wichtig, dass du deinem Welpen beibringst, ruhig auf andere Tiere zu reagieren, anstatt sie anzubellen, anzuspringen oder zu jagen. Auch hier ist es wichtig, erfahrene und tolerante Tiere für die Einführung auszuwählen und sicherzustellen, dass das ruhige Verhalten des Welpen in der Nähe dieser Tiere stark belohnt wird.

4. Andere beängstigende Dinge

Die Gehörgänge von Welpen öffnen sich im Alter von etwa 2 Wochen. Es ist wichtig, junge Welpen so früh wie möglich mit einer Vielzahl von Geräuschen in Kontakt zu bringen. Auf diese Weise werden sie später weniger Angst vor gewöhnlichen Geräuschen haben, da sie ihnen früh genug ausgesetzt wurden.

Hierzu gehören Verkehr, zuschlagende Autotüren, Feuerwerk, Donner, Presslufthammer, klappernde Töpfe, Sirenen und Kinder. Wenn du deinen Welpen nicht mit realen Geräuschen konfrontieren kannst, sind Online-Videos und Filme ein nützlicher Ersatz. Gib ihm viele Leckerlis, um sicherzustellen, dass diese Geräuschinteraktionen zu einer positive Erfahrungen werden.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Hunde Angst vor Gegenständen mit Rädern wie Skateboards, Kinderwagen oder Koffern haben. Auch die Angst vor Besen und Staubsaugern ist weit verbreitet. Wenn du deinen Welpen schon früh auf positive Weise an diese furchteinflößenden Dinge heranführst, wird er zu einem ruhigen erwachsenen Hund, der keine Angst vor alltäglichen Gegenständen hat.

Außerdem solltest du mit deinem Welpen das Autofahren üben, wenn er noch sehr jung ist. Stelle sicher, dass dein Welpe bereits an seine Box gewöhnt ist (siehe Link unten). Lege Leckerlis in die Box und nehme ihn auf kurze Autofahrten mit, wobei du ihn nur herauslassen solltest, wenn er ruhig ist. Fahre ihn auch an andere Orte, an denen er positive Erfahrungen machen kann. Wenn die einzigen Ziele, zu denen dein Hund mit dem Auto fährt, der Hundefriseur oder die Tierklinik sind, wird er sehr negativ auf Autofahrten reagieren.

5. Stelle sicher, dass das Training eine positive Erfahrung für deinen Welpe ist!

Häufig sozialisieren Menschen ihren Welpen falsch, indem sie ihn zwar ausführen, aber nicht erkennen, dass er gerade keine positiven Erfahrungen macht. Es ist wichtig, dass du den emotionalen Zustand deines Hundes erkennen kannst. So wirst du genau sehen, ob er gerade ängstlich oder nervös ist.

Das Zusammenkauern ist ein offensichtliches Anzeichen für Angst. Hier ist eine Liste mit anderen subtileren Anzeichen für Angst und Unruhe bei Hunden:

  • Lippenlecken
  • Hecheln, obwohl es nicht heiß ist
  • gerunzelte Stirn
  • zur Seite gelegte Ohren
  • Zeitlupenbewegung
  • Schläfriges Verhalten oder Gähnen
  • schaut in viele Richtungen
  • will plötzlich nicht mehr fressen
  • Wegbewegen
  • auf und ab gehen

Ängstliche Hunde lernen meist, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Anstatt in beängstigenden Situationen zu fliehen oder zu erstarren, reagieren sie mit Aggression. Manchmal tun sie das sogar, bevor das Objekt, die Person oder der Hund die Chance hat, sich zu nähern. Diese Hunde zeigen zwar immer noch Anzeichen von Angst und Furcht, wie z. B. das Abwenden des Blicks, Verstecken und Zurückweichen, jedoch eher flüchtig, da ängstliche Hunde eine starke Fassade aufbauen.

Wenn du bei deinem Welpen Anzeichen von Angst oder Unruhe bemerkst, solltest du die Situation schnell in eine positive Erfahrung verwandeln. Zum Beispiel kannst du ihn mit Leckerlis füttern oder ihn lustige Tricks ausführen lassen, damit er von der Angst abgelenkt wird.

Selten ist das Problem damit gelöst, den Welpen die Angst aussitzen zu lassen, damit er sich daran gewöhnt. Außerdem solltest du ihn nie dazu zwingen, die gefährliche Situation auszuhalten, indem du ihn einfach festhältst, wenn sich die "Gefahr" nähert. Das kann nach hinten losgehen und die Angst noch verschlimmern. Ein besserer Ansatz ist es, aus einer Entfernung zu arbeiten, in der du ihn von der Angst ablenken und auf dich konzentrieren kannst, um sich dann systematisch an das beängstigende Objekt heranzuarbeiten.

Da Ängste sich schnell zu Aggressionen entwickeln können, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn dein Welpe Ängste zeigt, die sich durch diese Techniken nicht sofort bessern.

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